Wie wird es Ostern?

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Das ist der Morgen, der alles verändert. Nicht ein Märchen nach dem Motto: Ich möchte eines Morgens erwachen und alles ist gut. Das Geheimnis ereignet sich in der Verborgenheit der Nacht. Darum feiern Christen die Osternacht. Als die Welt schläft, geschieht das Unglaubliche. Niemand bekommt mit, wie Gott Jesus erweckt. Doch dieser Nacht folgt der Morgen, der alles verändert.

Ostern geschieht in der Begegnung:

Es beginnt nicht in der Isolation, nicht im Gebet oder in der Seele allein, sondern durch das Kommen von drei Frauen, die nach Kreuzigung und Grablegung Jesu am Morgen zum Grab kommen und die Botschaft der Auferstehung erfahren.

Ostern ist ein Weg, kein Knall:

Die Wandlung von der Karfreitags-Trauer zur Osterfreude geschieht „nach und nach“. Es ist eine Erfahrung, die Zeit braucht und in den Alltag hineinreicht.

Ostern erfordert Bewegung:

Es ist ein Appell, nicht stehenzubleiben, sondern sich auf den Weg zu machen („mitkommen“, „mitgehen“).

Ostern ist ein Aufruf:

Es ist eine Einladung („Kommst du mit? Kommen Sie mit?“), aktiv an diesem neuen Leben und dieser neuen Hoffnung teilzuhaben.

Ostern ist ein aktives Miterleben der Auferstehungshoffnung:

Dieses Erleben entsteht durch Gemeinschaft und Bewegung.

Ostern ist kein abgeschlossenes Fest der Vergangenheit, sondern ein Werden im Heute: Ein Weg, der uns in der Nacht begleitet, bis der Morgen sichtbar wird.

Auch wir sind eingeladen, die eigene Angst, Eitelkeit und Bequemlichkeit hinter uns zu lassen, um uns in der Nachfolge zu verorten – dort, wo Schmerz zu Gnade wird, wo Trauer zum Blick nach vorne und nach oben wird, wo der Kreuzweg nicht das Endziel, sondern der Auftakt einer neuen Lebensweise ist.

Wir leben in einer Welt, die oft zwischen Nacht und Morgen pendelt: Zwischen Krisen, Trauer und Verlust – und zwischen Hoffnungen, Möglichkeiten und der Sehnsucht nach Sinn.

Ostern erinnert uns daran, dass der Morgen nicht erst kommt, wenn die Sonne aufgeht, sondern schon dort beginnt, wo der Glaube sich entscheidet zu gehen.

Es ist die Entscheidung, sich auf den Weg zu machen, auch wenn der Weg schmal ist, auch wenn der Weg unsichtbar scheint, auch wenn der Weg durch Dunkelheit führt.

So wird Ostern zum Aufbruch eines gemeinsamen Lebens:

Wir gehen mit den drei Frauen hinein in den Moment, in dem das Unmögliche passiert.

Wir gehen mit, weil uns gezeigt wird, dass der Tod nicht die letzte Geschichte ist, dass Trauer ihren Raum hat, aber nicht das letzte Wort besitzt.

Wir gehen mit, weil der Glaube uns die Augen öffnet, weiterzusehen als bis zum Rand der Nacht, hinüber in den ersten Lichtstreif des Morgens, in dem die Nachricht des Lebens widerhallt: Jesus lebt!

Im Namen des ganzen Pastoralteams wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest und die Freude der Auferstehung.

Ihr Achim Voiß, Diakon

 

Bild: Christel Holl © Beuroner Kunstverlag