Neue Erinnerungs-Stele auf dem Friedhof Merscher Höhe

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„Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben stehen“ (Lukas 10,20)

Sind Sie vielleicht in den letzten Tagen auf dem Friedhof Merscher Höhe gewesen? Dann werden Sie unter Umständen eine in warmen, lichten Farben gehaltene Säule und eine aufrecht stehende Stahlplatte gesehen haben. Dieses „Objekt“ ist das neue Denkmal, das für die anonym Beerdigten aufgestellt worden ist. Auf dem Friedhof Merscher Höhe werden jedes Jahr ungefähr 70 Menschen anonym beerdigt. Die meisten der anonymen Beerdigungen finden statt auf dem Urnengräberfeld nahe der Neusser Straße, dort, wo jetzt das „Denkmal“ errichtet worden ist.

Die Gründe, warum Menschen eine anonyme Bestattung wünschen bzw. vornehmen lassen, sind verschieden. Die Verstorbenen haben beispielsweise keine Angehörigen. Oder sie wünschten sich diese Beerdigungsform, damit die Angehörigen finanziell weniger belastet werden oder ihnen eine Grabpflege nicht zugemutet wird. Eine Folge dieser Bestattungsform ist, dass über die Gräber der Verstorbenen im wahrsten Sinne des Wortes schnell Gras wächst.

Und es kann sich einem der Eindruck vermitteln, als seien sie nie dagewesen. So kam Pfarrer Wolff im Kreis mit anderen BeerdigungsleiterInnen auf die Idee, den anonym begrabenen Menschen auf dem Friedhof einen würdigen Platz einzuräumen. Vor gut zwei Jahren begann die Planung des Projekts. Informiert und eingebunden in die Planung war auch der ökumenische Arbeitskreis „Kirche in Jülich“, der dieses Projekt zustimmend und positiv mitgetragen hat.

Am Mittwoch, den 19. Juni 2019, wurde das Denkmal enthüllt: Eine drei Meter große Stele und eine Tafel, an der Namen der Verstorbenen angebracht werden können, sofern die Angehörigen das wünschen, steht nun auf dem Urnengräberfeld. „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben stehen“.

Nichts gehört so sehr zu uns wie unsere Namen. Vieles mag sich ändern im Laufe eines langen Lebens – Größe und Gewicht, Frisur und Haarfarbe, der Wohnort, die Hobbies, Lieblingsspeisen und Berufstätigkeiten, Beziehungen, Freunde und Feinde – der Name bleibt uns. Gut, manchmal wird aus dem Friedrich Wilhelm ein Fritz oder aus einer Gabriele eine Gabi. Bei anderen

verdoppelt sich der Nachname im Laufe der Zeit oder weicht einem gemeinsamen Familiennamen. Unser Name ist uns gegeben, ohne dass wir ein Wörtchen hätten mitreden dürfen, er macht uns ein Leben lang aus. Und selbst nach unserem Tod meint er genau die Person, die ihn zu Lebzeiten trug. Nichts begleitet uns so treu durch unser Leben, nichts gehört so unzertrennlich zu uns wie der Name. „Bei deinem Namen gerufen, bist du mein“, so spricht Gott. Aus diesen Gedanken gespeist, erwuchs die Idee zu dem Projekt „Erinnerungs-Stele“, wie unser Bürgermeister Axel Fuchs das Denkmal bei der Enthüllung nannte.

Gestaltet wurde das Denkmal von der Künstlerfamilie Fernandez. Das Thema der Säule ist Licht, wie die Künstlerin Maria Fernandez bei der Enthüllung erklärte.  Es gehe um die „Bewegung und Dynamik, die uns das Licht erlaubt, zu entwickeln“. Von ihrer Form und Gestaltung haftet der Stele weder eine bestimmte Weltanschauung an – noch ist sie, was die religiöse Anschauung und Überzeugung angeht, in die eine oder andere Richtung festgelegt.

Bewusst wurde das Objekt von der Künstlerin so gestaltet, dass es also unabhängig von Religion oder Konfession angenommen werden kann. Vielmehr ist es „offen“ und lässt jedem Betrachter Raum zur eigenen, persönlichen Deutung. Neben der Licht-Säule ist die Stahl-Tafel aufgestellt, in die die Plättchen mit den Namen der Verstorbenen eingeschoben werden können.

Bei der Vorstellung lobte Pfarrer Wolff die gute Kooperation und die Unterstützung der Stadtverwaltung. Sofort sei einstimmig klar gewesen, dass sich dieses Projekt umzusetzen lohne, sagte Bürgermeister Axel Fuchs, der ebenfalls anwesend war.

Die Betreuung des Denkmals hat die Pfarrei Heilig Geist übernommen. Finanziert wurde es vor allem mithilfe der Sponsoren Lions Club Jülich Juliacum und der Armbrustschützenbruderschaft St. Antonii und St. Sebastiani. Die Anbringung ist kostenlos; natürlich kann spenden, wer das Projekt unterstützen möchte, auf das allgemeine Konto der Pfarrei mit dem Stichwort „Namen-Denkmal Merscher Höhe“.

Das „Denkmal“ auf dem anonymen Gräberfeld hat übrigens noch keinen richtigen Namen. Für Pfarrer Wolff ist es ein Denkmal, Bürgermeister Fuchs nannte es eine „Erinnerungs-Stele“. Gute Namensvorschläge sind laut Pfarrer Wolff auch jetzt noch herzlich willkommen.

Pfr. Konny Keutmann

 

Fotos: Ralph Loevenich