Seelsorgliche Ansprechpartner?

Kategorie(n): alle Gemeinden, Allgemein
Die Seelsorglichen AnsprechpartnerInnen in der Pfarrei Heilig Geist ab August 2016: Gemeindereferentin Claudia Tüttenberg  für den Seelsorgebereich Nordost; Gemeindereferentin Petra Graff für den Seelsorgebereich Mitte; Gemeindereferent Ralf Cober für den Seelsorgebereich Südwest

Der Artikel über die Rollenveränderungen im Pastoralteam und über die seelsorglichen AnsprechpartnerInnen im Februar-Pfarrbrief bzw. in der Beilage der Gemeindeblätter hat Verwirrungen und kritische Rückfragen ausgelöst: Sind unsere Priester jetzt gar nicht mehr für uns zuständig?, war eine sorgenvolle Frage.

Was die Frage der Zuständigkeit angeht, so ist das ganze Pastoralteam (bei uns mit Gemeinde- u. Pastoralreferent/inn/en, Pastoralassistentin, Diakon und Priestern) durch den Bischof für die ganze Pfarrei beauftragt und zuständig. So war es bei der Fusion eine Vorgabe des Bistums, das hauptberuf- lich pastorale Personal Büromäßig an einer Stelle zu zentrieren, um nicht auseinandergerissen zu werden – ausgenommen waren nur die Priester, die Wohn- und Büro-Ort in einem Gebäude haben. Damit wird es eher möglich, außerhalb des eigenen Kirchturm-Radius in bestimmten Feldern übergemeindlich zu arbeiten, z.B. für Ökumene, Öffentlichkeitsarbeit, Familienpastoral, Frauenseelsorge, Caritas u.v.m. – so gibt es im Pastoralteam die Aufteilung des Dienstes und der Zuständigkeit nach Ortsgemeinden für Präsenz im Seelsorgebereich und nach pastoralen Feldern für die Zielgruppen-Seelsorge. Für manche scheint der Begriff: seelsorgliche/r Ansprechpartner/in (abgekürzt: SAP) neu und verwirrend zu sein. Um die Verwirrung aufzulösen, hilft ein Blick auf die Geschichte des Begriffs:

Wegen Überlastung oder Ausfalls eines Pfarrers kann es sinnvoll sein, eine/n Gemeindereferent/in mit organisatorischen Aufgaben rund um die Seelsorge zu betrauen, z.B. der Organisation von Gottesdiensten, Absprachen in den Gemeinden, Aufgabenaufteilungen, Begleitung der Gemeinderäte u.a. – alles Dinge, die nicht die Priesterweihe voraussetzen und keine sakramentalen Handlungen sind. Für diese Beauftragung wurde vor vielen Jahren der Begriff: seelsorgliche/r Ansprechpartner/in gewählt. Da mit dem Modell gute Erfahrungen gemacht worden sind und da die Zahl der verfügbaren Priester weiter zurückgegangen ist, wurde dieses SAP-Modell in der Pfarrei auf alle 16 Gemeinden übertragen. Im nächsten Schritt (ab Juli 2016) wird diese Idee übertragen auf die Seelsorgebereiche, so dass es für jeden der drei Bereiche eine/n Ansprechpartner/in gibt, der/die jedoch neben den Aufgaben in den Ortsgemeinden auch übergemeindliche, fachbezogene (kategoriale) Aufgaben und Zuständigkeiten in einem pastoralen Schwerpunkt hat (s.o.).

Eine persönliche Bemerkung: Sind Gemeinde-/PastoralreferentInnen und Ehrenamtliche Seelsorger zweiter Klasse? Manchmal beschleicht mich der Eindruck, man wünscht sich die Chefarzt-Behandlung erster Klasse auch in der Seelsorge, z.B. wenn man bei kirchlichen Trauerfeiern darauf besteht, dass ein Priester die (nicht-sakramentale) Trauerfeier auf dem Friedhof leitet. Das stimmt mich traurig für all diejenigen, die sich eben hauptberuflich oder ehrenamtlich mit hohem Engagement und hoher menschlicher wie fachlicher Kompetenz in einem seelsorglichen Feld einsetzen. Dem II. Vatikanischen Konzil war es ein großes Anliegen, das Gemeinsame im Christ-Sein und den Dienst-Charakter aller Berufungen zu betonen – aus der gemeinsamen Taufwürde heraus.

Bei all den Veränderungen sollte das eine leitende christliche Perspektive sein:

  • die eigenen, von Gott geschenkten Begabungen entdecken,
  • diese mehr und mehr entfalten und
  • dabei dem Christ-Sein der anderen dienen, um ihre Begabungen und Berufungen zu entfalten.

So wünsche ich wachsende Freude am Mensch- und Christ-Sein!

Pastor Josef Wolff