Neues zur Jülicher Pfarrgeschichte

Kategorie(n): Allgemein
Portraet von Pfarrer Hennes
Porträt von Pfarrer Hennes (undat.), aus Johann Schmitz, Antonius Kardinal Fischer, Erzbischof von Köln. Leben+Wirken, Köln 1915, S. 7

Die Vergangenheit der ehemaligen Jülicher Pfarre Mariä Himmelfahrt ist nur wenigen bekannt, daher besteht ein Forschungsbedarf. Die „Joseph-Kuhl-Gesellschaft e.V. – Gesellschaft für die Geschichte der Stadt Jülich und des Jülicher Landes“ hat dieses Anliegen aufgegriffen und zwei kleinere Publikationen vorgelegt, die sich dieser Aufgabe widmen.

Dr. Claudia Wendels (M.A.) wendet sich in der Kleinen Schriftenreihe Nr. 27 unter dem Titel „Zur frommen Erinnerung … Eine Auswahl von Jülicher Totenzetteln aus dem letzten Viertel des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“ der im Rheinland gegenwärtig leider fast ausgestorbenen Sitte zu, bei den Exequien für einen Verstorbenen einen gedruckten „Totenzettel“ zu verteilen. Dieser enthielt einen Lebenslauf des/der Verstorbenen und eine Würdigung, verbunden mit der Bitte, jetzt und in Zukunft den/die Heimgegangene Gott im Gebet zu empfehlen.

In einer Veröffentlichung des Forums Jülicher Geschichte Bd. 68 widmet sich Prof. Dr. Bers der Biographie des Jülicher Oberpfarrers und Landdechanten Andreas Hennes (1793-1878). Dieser war zunächst Pfarrer von Stetternich, wurde dann Dechant des damaligen Dekanats Jülich (seit 1838, 21 Pfarreien)  und amtierte seit 1840 als Pfarrer von Jülich.

Hier versuchte er, vor allem durch Schulunterricht und durch die Reorganisation von kirchlichen Bruderschaften und Vereinen das religiöse Niveau zu heben, ließ durch dafür spezialisierte Orden „Volksmissionen“ veranstalten und initiierte 1850 die erste Klostergründung des 19. Jahrhunderts in der Stadt Jülich (Schervier-Franziskanerinnen aus Aachen). Leider konnte sich diese Neugründung nicht halten und musste vom Orden nach wenigen Jahren aufgegeben werden.

Besonders bemerkenswert ist eine dreimonatige Reise von Hennes nach Italien (1847) – mit seinem Bruder, der auch Priester war. Sie wurden, durchaus ungewöhnlich, in Rom von Papst Pius IX. in einer Privataudienz empfangen. 1867 machten sie zusammen eine Pilgerreise ins Heilige Land. In Jerusalem wurden beide zu Rittern vom Heiligen Grab geschlagen, ganz selten für die damalige Zeit.

Beide Schriften sind erhältlich bei: Buchhandlung Fischer und der Geschäftsstelle der Joseph-Kuhl-Gesellschaft (W. Dovern, Kommstraße 11, 52428 Jülich) für 7€ und 10€ .

Prof. Dr. Günter Bers