Zeit für andere Dinge

Zeit für andere Dinge

Kategorie(n): Allgemein

DPSGSich in dieser Gruppe wohlzufühlen, fällt nicht schwer. „Wir haben eine hohe Integrationsfähigkeit“, sagt Dietmar Müller und schmunzelt dabei zu einem seiner evangelischen Kollegen hinüber. Die Leiterinnen und Leiter des Pfadfinderstammes St. Franz Sales Jülich brechen in herzliches Gelächter aus. Spaß wird in dieser Runde groß geschrieben. Und der lässt sich gleich am besten in einer Gruppe erleben, jenseits von Leistungsdruck und sozialer Trennung, davon sind die Pfadfinderinnen und Pfadfinder überzeugt. „Es geht darum, zu erfahren, was Gemeinschaft ausmacht“, beschreibt Stephan Kürbig den Kern pfadfinderischer Erziehung.

Der Familienvater hatte vor einigen Jahren eine Gruppe für seine beiden Söhne gesucht, „wo nicht Leistung im Vordergrund steht, sondern Gemeinsamkeit erleben und Zeit für andere Dinge haben.“ Bei den Pfadfindern ist er fündig geworden. Um die Leiterinnen und Leiter zu unterstützen und seine Wertschätzung für den Verband auszudrücken, engagiert er sich nun im Förderverein des Stammes. Die Jülicher Pfadfinder sind Teil der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und zählen mit rund 80 Mitgliedern zu den größeren Stämmen in der Region. In vier Kinder- und Jugendstufen treffen sie sich wöchentlich zu Gruppenstunden, in denen sie gemeinsam Projekte planen und umsetzen. So führen sie immer wieder auch soziale, politische oder religiöse Aktionen durch, wie etwa die beliebte Schuhputzaktion, den Weihnachtsbaumverkauf oder das Überbringen des Friedenslichtes aus Bethlehem am dritten Advent. Höhepunkte sind das gemeinsame Pfingstlager sowie das Sommerlager, das im jährlichen Wechsel entweder als Stammeslager oder als Stufenlager stattfindet.

Dietmar Müller ist seit seinem 7. Lebensjahr Pfadfinder und hat gerade in seiner Jugend sehr viel Spiritualität im Verband erlebt. Diese Erfahrungen waren für ihn Ansporn, sich auch ehrenamtlich als Leiter zu engagieren, um „an Kinder und Jugendliche weiterzugeben, was ich selbst beim Verband erfahren habe.“ Zusammen mit Bettina Pauli hat er den sog. Kuratenkurs, eine Ausbildung zum Geistlichen Begleiter, absolviert. Für Johannes Pauli liegt ein wichtiger Aspekt der Pfadfinderei in ihrer Verbundenheit mit der Natur. Dazu gehört auch, „dass wir in den Lagern eine gewisse Einfachheit praktizieren und den Kindern vorleben, dass man auch auf Dinge verzichten kann, die vielleicht in anderen Lebenslagen alltäglich sind, etwa elektronische Unterhaltungsmedien.“

Eine bunte Bilderwand im Truppheim zeugt von den Aktionen und Lagern der letzten Jahre, darunter auch Fahrten nach Schweden und Schottland. Auf einem großen Plakat werden die einzelnen Schritte zum Binden des obligatorischen Halstuchknotens anschaulich erklärt. Er gehört zur sogenannten Kluft, dem Erkennungszeichen der Pfadfinder und verdeutlicht, dass die soziale Herkunft der Person dabei keine Rolle spielt. Respekt und Toleranz gehören zu den Grundwerten der christlichen Vereinigung. Das bedeutet auch, dass Verbindlichkeit ein wichtiger Baustein der Arbeit ist. „Wir machen keine offene, sondern eine verbindliche Jugendarbeit mit wöchentlichen Gruppenstunden“, betont Dietmar Müller. Damit eine Gruppe zusammenwachsen und etwas auf die Beine stellen könne, sei die Zuverlässigkeit der einzelnen Mitglieder unerlässlich.

Ehrenamt aktiv
Die Gründe für ehrenamtliches Engagement sind so vielfältig wie die engagierten Menschen. In unserer Reihe “Ehrenamt aktiv” stellen wir weiterhin Menschen aus unserer GdG vor, die sich freiwillig und unentgeltlich kirchlich engagieren, und fragen nach ihrer Motivation.

Gerne würden einige aus der Runde die Leitung des Stammes an jüngere Hände abgeben, erzählt Bettina Pauli. Leider fehle es aber an volljährigen Personen, vor allem Frauen, die bereit seien, diese Aufgabe zu übernehmen. Dabei könne grundsätzlich jeder als Leiterin bzw. Leiter einsteigen, unabhängig davon, ob man vorher bereits Pfadfinder war oder nicht. Besondere Kenntnisse seien hierfür nicht erforderlich: In mehreren Modulen würden die Leiterinnen und Leiter für ihre Tätigkeit aus- bzw. weitergebildet. Bettina Pauli lässt eine Kiste über den Tisch sausen. Alle greifen beherzt zu und statten sich mit einem Stapel von Plakaten aus. Damit sollen Nachbarn, Bekannte und Freunde zur Aussendung des Friedenslichtes eingeladen werden – siehe nächste Seite. Sie sollen eingeladen werden, sich einmal Zeit für „andere“ Dinge zu nehmen.

Pastoralassistentin Mareike Jauß
Foto: M. Jauß