Osterbrief

Kategorie(n): alle Gemeinden
Aus dem Fotowettbewerb „Hoffnung“ der Katholischen Studentengemeinde KSG Jülich - Foto: Caren Cürvers
Aus dem Fotowettbewerb „Hoffnung“ der Katholischen Studentengemeinde KSG Jülich – Foto: Caren Cürvers

Wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?“ (Röm 8,24)

Liebe Mit-Hoffende!

Was macht dieser kleine violette Krokus da auf dem Titelbild? Der verrostete Eisenring scheint viel mächtiger zu sein und ihn einzuschließen. Dieses junge Leben hätte Grund, nicht aus der Erde herauszukommen, sondern vor der deprimierend traurigen Umgebung zu kapitulieren. Dieser Krokus: ein Zeichen der Hoffnung?

Mit dem Frühjahr kommt das Leben der Natur wieder sichtbar zurück – und weckt auch so manche menschlichen Frühlingsgefühle. Die Rückkehr des Lebens, die Macht des Lebens, den Sieg des Lebens über alles Lebenswidrige feiern wir in der Osternacht – und eigentlich in jeder hl. Messe, weswegen eine Beerdigung bzw. Trauerfeier gerne mit einer Messe verbunden wird.

Was steckt hinter dieser Hoffnung, dass nicht der Tod, sondern das Leben das letzte Wort hat? Gerade wo Menschen ganz persönlich und existenziell herausgefordert werden, das heißt angesichts des nahen eigenen Todes oder angesichts eines sterbenden Angehörigen, kommt die Frage nach dem „danach“ auf. Haben wir Grund zur Hoffnung?

Zwei Beispiele von Sterbenden haben mich jüngst stark beeindruckt: Da versammelt ein Hochbetagter noch einmal in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte seine Familie um sich, gibt letzte Anweisungen und Appelle für die Zukunft, legt sich hin und schläft ein, ganz ein. Wie kann er so bewusst in den Tod gehen ohne äußere Anzeichen von Angst?

Ein anderer Über-90jähriger ist bis zuletzt für Kleinigkeiten dankbar und strahlt eine unerschütterliche innere Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Wenige Tage vor seinem Tod murmelt er das, was er wahrscheinlich auf dem langen Fußmarsch in die Kriegsgefangenschaft (von Sachsen bis zur Krim) sich immer wieder wie in Selbsthypnose gesagt hat, um durchzuhalten. Was gab ihm die Kraft zu marschieren und was gibt ihm die Kraft, wie damals jetzt durch das Sterben zu marschieren?

Menschen,

die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.

Menschen, die aus der Liebe leben,

sehen tiefer.

Menschen, die aus dem Glauben leben,

sehen alles in einem anderen Licht.

Lothar Zenetti

Mir scheint: Wir brauchen Spuren, an denen wir die Macht des Lebens erkennen. Wir brauchen Erlebnisse, die uns Hoffnung machen. Wir brauchen wie der kleine Krokus etwas Mut. Und wir brauchen die Erinnerung an den, der von den Toten auferstanden ist und den seine Jünger bezeugt haben.

Möge das kommende Osterfest Ihre Hoffnung auf die Macht des Lebens stärken – und mögen Sie die Spuren entdecken, die Ihnen viel „Unglaubliches“ vom Leben verraten!

Pastor Josef Wolff