St. Antonii und St. Sebastiani Armbrustschützen Jülich

Brudermeister & Ansprechpartner

Detlev Ernstes
Zur Rur 18
52428 Jülich-Kirchberg

Tel. 02461-54911
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Technischer und inhaltlicher Ansprechpartner

Josef Wolff
Stiftsherrenstr. 9
52429 Jülich

Tel. 02461-9958-092 (dstl.)
Mail: j[.]wolff[at]heilig-geist-juelich[.]de  (j[.]wolff[at]heilig-geist-juelich[.]de)  

Die Jülicher St. Antonii- und St. Sebastiani-Armbrust-Schützenbruderschaft gehört zu den ältesten des Rheinlands. Sie wurde um 1400 gegründet und pflegt bis zum heutigen Tag als sportliches Tätigkeitsfeld das Schießen mit der Armbrust.

Diese Waffe wurde seit den Kreuzzügen bekannt. Sie galt als „unchristliche Waffe“; ihr Gebrauch wurde 1135 und 1215seitens der Kirche bei innerchristlichen Auseinandersetzungen verboten, „Heidenkampf“ aber toleriert. Der Grund liegt darin, dass die damals Mann gegen Mann kämpfenden Ritter dieser Waffe, die aus einer Distanz von 60-70m abgeschossen wurde, nichts entgegensetzen konnten. Die Armbrust setzte sich vor allem im Bürgertum als Selbstverteidigungsinstrument bei der Belagerung von Städten durch.

Die Besitzer einer Armbrust gehörten wohl meist den wohlhabenden Kreisen an; sie organisierten sich als kirchennahe „Bruderschaft“, die auch caritative Aufgaben übernahm. Ihre Struktur war demokratisch angelegt; alle Ämter wurden auf Zeit durch Wahl verliehen.

In Jülich ist die Geschichte der Bruderschaft seit 1620 bis zur Gegenwart gut dokumentiert; sie ist weiterhin ein geselliger Zusammenschluss von kirchennahen Männern, auch wenn sie kein kirchlicher Verein ist.

 

Unser Brudermeister Detlev Ernstes beschreibt die Bruderschaft in Stichworten:

Foto des amtierenden (und noch unter der Anstrengung schwitzenden) Königs Josef Wolff bei der anschließenden Feier an Fronleichnam, mit Schützenkette

Tradition und Geschichte

  • Gründungsdatum unsicher, angenommen wird 2. Hälfte 14. Jh., erstes sicher belegtes Datum: 1457.
  • Die Armbrust ist die typische Waffe der städtischen (eher wohlhabenden) Bürger im späten Mittelalter. Vornehmlich gebraucht in mit Stadtmauern geschützten Städten, ihr Vorteil: Von oben waren Angreifer gut abzuwehren.
  • Besonderheit der Jülicher Bruderschaft: ihre zwei Patrone: St. Antonius, 250-356, (der Große, der Mönchsvater, der Einsiedler, meist dargestellt mit Schwein: „Ferkestünn“), er steht für das soziale Engagement der Bruderschaft; dann St. Sebastianus, 3.Jh., der Pfeildurchbohrte, Zeuge, Märtyrer für Christus, er steht für die christliche Grundausrichtung und natürlich ist er der bevorzugte Patron der Schützen. Daraus ergeben sich die bis heute tragenden Grundgedanken der Bruderschaft:

Sportlicher Wettstreit

Mehrmals im Jahr treffen sich die Schützenbrüder – einmal mit Damen – zum Schießen mit der Armbrust. An Fronleichnam wird der beste Schütze der Schützenkönig des Jahres. Geschossen wird mit Schweizer Armbrüsten, Nachkriegsmodell, aufgelegt, auf eine 28m entfernte Scheibe mit 10 Ringen. Es gibt also keinen „Vogelschuss“, wie vielfach üblich.

Katholische Ausrichtung

Vornehmste Aufgabe ist die flankierende Begleitung des Allerheiligsten am Fronleichnamstag. Aber auch sonst wird von den Schützen die Bemühung um eine christliche Lebensführung erwartet. Gemeinsame Gottesdienste und religiöse Feiern finden statt am Patronatsfest (ca. 17.- 20.Januar), in der Fastenzeit und in der Adventszeit. In Vorträgen werden Aspekte des Glaubens und der Kirche vertieft und diskutiert. Aus diesem Grund sind wir eine Bruderschaft.

Soziales Engagement

Von Beginn an ist für die Bruderschaft Sorge für Bedürftige eine zentrale Aufgabe. Kranke und Witwen wurden versorgt. Heute hat es sich die Bruderschaft zur Aufgabe gemacht, die Witwen der verstorbenen Schützenbrüder am Leben der Bruderschaft teilnehmen zu lassen. Darüber hinaus unterstützt sie lokale Aktionen und Institutionen: SKF-Arbeit mit Schülern, Ferienspiele in Jülich, andere wohltätige Aktionen nach Abstimmung.

Familiäre Geselligkeit

Es herrscht in der Bruderschaft eine familiäre Gemeinsamkeit. Sie wird gepflegt bei den gemeinsamen Veranstaltungen: beim Schießen, bei Vorträgen – die in der Regel Gästen offenstehen –, bei festlichen gemeinsamen Essen an Fronleichnam, im Advent, oder bei einer Einladung durch den Schützenkönig, bei gemeinsamen Unternehmungen zur Pflege kultureller Anliegen oder bei Veranstaltungen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Kulturelle Anliegen

Neben den gemeinsamen Veranstaltungen kultureller Art unterstützt die Bruderschaft seit Jahren junge Musiker in Jülich durch Vergabe von Abonnements für die Jülicher Schlosskonzerte.

Die Geschichte der Bruderschaft ist nachzulesen in dem lesenswerten Band 50 der Reihe „Forum Jülicher Geschichte“ (ed. Günter Bers und Wolfgang Herborn): Günter Bers/Chantal Kröber, „Traditionspflege und Kirchennähe – Eine regionale Gesellschaftselite im Spiegel der Jahrhunderte: Die Jülicher St. Antonii- und St. Sebastiani-Armbrust-Schützenbruderschaft“, Jülich, 2007 – erhältlich bei Fischer oder bei der Joseph-Kuhl-Gesellschaft