Sommer – Urlaub – Erholung – Entspannung – Träumen

Sommer – Urlaub – Erholung – Entspannung – Träumen

Kategorie(n): Allgemein

Liebe Pfarrangehörige! Liebe/r Leser/in!

Die Sommerferien läuten wieder die große Sommerpause für die Gemeinden unserer Pfarrei ein, in der der Sitzungsbetrieb pausiert und viele sich die weite Welt anschauen oder einfach die Ruhe zuhause genießen. Besonders scheinen Fahrten an die See oder in die Berge beliebt zu sein – um die Weite, die frische Luft o.a. zu genießen.

Im Gespräch mit älteren Menschen fällt mir immer wieder auf, dass das Phänomen Urlaub und Wegfahren recht jung ist. Für die Menschen der 50er und 60er Jahre war es schon ein Erlebnis, ein paar Tage in die Eifel zu fahren oder ein Wochenende am Rursee zu verbringen – zumal sich das Wegfahren nur wenige leisten konnten. Irgendwie scheinen Menschen bis vor einigen Jahrzehnten die Entspannung noch so in ihre Tage integriert zu haben, dass es kaum das Bedürfnis nach mehrwöchigem Urlaub fern des eigenen Wohnorts gab. Unsere Zeit scheint psychisch stressiger geworden zu sein; dafür sind echte Ruhe und Erholung umso wichtiger geworden.

Wussten Sie eigentlich, wie wichtig das Träumen ist in diesem Zusammenhang?

Unser Gehirn ist der eigentliche Grund dafür, dass wir Menschen überhaupt Schlaf brauchen. Im Träumen verarbeitet das Gehirn die vielen Eindrücke aus der Wachphase. Und beim Träumen kommen die vielen Gedanken und Bedürfnisse hoch, die in der Wachphase zu kurz kamen.

Wovon träumen Sie?

Gönnen Sie sich im Sommer mal mehr das Träumen! Gerne lassen wir uns gefangen nehmen von all dem, was wir meinen, tun zu müssen. Sie glauben ja gar nicht, wie oft ich Staunen und Stille erfahre, wenn ich mein Gesprächs-Gegenüber danach frage, was er/sie sich denn überhaupt wünscht.

In Mk 10, 51 stellt Jesus einem blinden Bettler die Frage: Was soll ich dir tun? Jesus hätte auch fragen können: Was wünschst du dir? Obwohl man dem Blinden unterstellen könnte, dass er nicht mehr blind sein und nicht mehr betteln will, könnte es doch sein, dass er mit seinem Leben so zufrieden ist. Gerade Menschen mit einer Behinderung wehren sich, wenn man sie an dem misst, was sie nicht können, anstatt an dem, was sie können.

Was wünschen Sie sich von Gott?

Ich meine: Was wünschen Sie sich wirklich abseits der alltäglichen Kleinigkeiten (schönes Wetter, viel Geld, nette Nachbarn)? Urlaub und Entspannung und Träumen bringen es mit sich, dass die Sorge um das Notwendige nachlässt.

Ein Priester, der häufiger als Seelsorger Reisen auf Kreuzfahrtschiffen begleitet hat, hat mir voller Begeisterung davon erzählt, wie tief und intensiv die Gespräche da sind, wo für alles Lebensnotwendige gesorgt ist. Sicher produziert unsere Freizeit-Industrie genug Möglichkeiten zur Zerstreuung und Ablenkung, dass man bloß nicht mal selbst zum kreativen Träumen kommt …

Nach der großen Sommerpause wartet auf uns als Pfarrei Hl. Geist Jülich eine Menge Arbeit. Unser neuer Bischof macht sich viele Gedanken über die Zukunft des kirchlichen Lebens vor Ort. Der Entscheidungs- und Handlungsbedarf scheint mir zu wachsen bei der Frage, was uns zukünftig wie wichtig ist.

Vielleicht darf ich da an dieser Stelle schon mal öffentlich träumen? …

  • Ich träume von einer Kirche, der am wichtigsten ist, was Jesus Christus getan und gesagt hat, und die in Treue zu ihm lebt.
  • Ich träume von einer Kirche, die auch außerhalb der Kirchenräume und offiziellen Gottesdienstzeiten im Gebet untereinander und mit Gott verbunden ist.
  • Ich träume von einer Kirche, in der jeder Christ seine Berufung entdeckt und entfalten kann, um Erfüllung und Sinn für sein Leben zu finden.
  • Ich träume von einer Kirche, die sich nicht im Besitzstand-Denken und Verwalten aller alten Traditionen übt, sondern noch so frei ist, Neues zu wagen und Altes zu lassen.
  • Ich träume von einer Kirche, die die Zusammenarbeit weit über den eigenen Kirchturm hinaus entdeckt als schöpferisches Potential.

Schließlich träume ich davon, dass Christen sich nicht beklagen über das, was nicht ist, sondern Gott (in der Eucharistie) immer mehr danken für das, was ist, und an den Herausforderungen des Lebens wachsen.

Seitens der ganzen Pfarrei Hl. Geist wünsche ich Ihnen – wo immer Sie sind – einen traumhaften und gesegneten Sommer!

Ihr Pastor Josef Wolff
Foto: Wolfgang Biel